Nachtrag 2 nannte "832 MB frei" - ein Schnappschuss, und dazu mehrdeutig zwischen `free` und `available`. Nachgemessen: 326-358 MB free, 978-1004 MB available von 3915 MB, dazu ~1 GB Swap belegt. Falsch war ausserdem die Annahme, ein Managed Webspace koenne den Verbrauch nicht zuordnen. `hidepid=invisible` verbirgt zwar fremde Prozesse, aber das systemd-cgroup-Accounting (`systemctl status pacs-<paket>.slice`, so auch im Hostsharing-Wiki) und die world-readable atop-Aufzeichnungen unter /var/log/atop/ geben sie her. Befund: nicht die Datenbanken. clamav-daemon 988 MB gegen mariadb 150 MB und postgresql 111 MB; alle zwoelf Webspaces zusammen 100 MB. MariaDB haelt 602 MB im Swap - die DBs sind auf je 25 % des RAM provisioniert und verlieren gegen den Virenscanner. Fuers Deployment: pacs-mih00.slice hat MemoryMax=3147M - eine Erlaubnis, keine Reservierung. `-Xmx` gehoert gegen das Freie bemessen; die JVM-Voreinstellung (~980 MB) ist genau die Groesse, die MariaDBs Puffer verdraengt hat. Co-Authored-By: Claude Opus 5 <noreply@anthropic.com>
20 KiB
Live-Editing über HTTP (Variante „Simpel")
Status: Konzept entschieden (D76), noch nichts implementiert. Die offenen
Punkte des ersten Entwurfs sind beantwortet; die Begründungen stehen in
docs/DECISIONS.md unter D76 und werden hier nicht wiederholt, sondern nur
verwiesen.
Ziel und Rahmenbedingungen
- Mehrere Clients (Werkbaum-Web-App/PWA) arbeiten am selben Dokument: ca. 10 Beobachter, davon 2–3 gelegentliche Editoren, praktisch nie in derselben Sekunde.
- Nur HTTP, kein WebSocket. Wenige, sparsame Requests (Lehre aus den aggressiven Rate-Limits der Etherpad-Integration, D31).
- Kein Neuladen des Dokuments im Normalbetrieb: Clients erhalten Zeilen-Diffs und wenden sie lokal an, damit Cursor/Scrollposition erhalten bleiben. Ausnahmen sind benannt (Prüfsummenfehler, zu alter Stand).
- Das Werkbaum-Format ist zeilenorientiert; Zeilen-IDs (
#id) sind optional und identifizieren Knoten, nicht Zeilen. Das Protokoll arbeitet deshalb ausschließlich auf physischen Zeilen und braucht keine IDs. - Bei echtem Gleichzeitig-Konflikt: Update ablehnen, der Client entscheidet (rebase, neu laden, verwerfen). Das Dokument darf nie kaputtgehen.
Zugriff und Identität
- Zugriff über die unerratbare Dokument-UUID, wie ein Pad-Link: kein Login, kein Rechtemodell. Echte Authentifizierung kommt später als Schicht davor; das Protokoll bleibt davon unberührt.
GET /documentsverlangt ein Master-Passwort (Hash serverseitig in einer Umgebungsvariable, geprüft über Spring Security). Ohne diesen Schutz wäre jede UUID auflistbar und das Modell hinfällig. Der Endpunkt braucht eine Sperre nach Fehlversuchen, und die Übertragung setzt HTTPS voraus.- Identität ist pseudonym: Jeder Client führt eine zufällige
clientIdund einen selbstgewählten Anzeigenamen (Etherpad-Modell). Ohne Anmeldung ist der Name eine Behauptung und darf in der Oberfläche nicht wie ein Nachweis aussehen. Er trägt: Wiedererkennung beim Retry, „geändert von" in der Historie, die Reihenfolge bei gleichzeitigen Einfügungen und spätere Präsenz.
Grundidee in einem Satz
Jede Dokumentänderung ist ein zeilenbasiertes Diff gegen eine Basisversion; der Server wendet es an — notfalls auf eine neuere Version verschoben — und verteilt das Ergebnis über Long Polling an alle Beobachter.
Datenmodell: das Zeilen-Diff
Ein Diff ist eine Liste von Operationen relativ zur Basisversion. Zeilen werden über ihren Index in der Basisversion adressiert (0-basiert); Operationen sind nach Index aufsteigend sortiert und überlappen nicht.
{
"baseVersion": 41,
"checksum": "sha256:9f2b…",
"clientId": "c-8a41…",
"seq": 17,
"ops": [
{ "op": "replace", "index": 12, "count": 1,
"lines": [" - [~] Backend (L) @ben"] },
{ "op": "insert", "index": 20,
"lines": [" + [?] Dark mode (S)"] },
{ "op": "delete", "index": 25, "count": 2 }
]
}
replace:countZeilen abindexwerden durchlinesersetzt.insert:lineswerden vorindexeingefügt (index == Zeilenanzahl= anhängen).delete:countZeilen abindexentfallen.
Warum Indizes statt Inhalts-Hashes reichen: Der Server kennt die Basisversion vollständig. Version + Index ist damit eindeutig — auch bei identischen Zeilen (Leerzeilen!).
checksum ist Pflicht (Hash des gesamten Basistexts). Die Versionsnummer
bestätigt nur, dass die Basis dieselbe Version ist, nicht dass beide Seiten
sie gleich lesen; ein Index-Versatz zerstörte Text sonst unbemerkt. Passt
die Prüfsumme nicht, antwortet der Server mit 422, und der Client lädt
einmalig komplett neu. Siehe D76, Begründung im Geist von D59 („lieber der
laute Fehler").
clientId und seq machen den PATCH wiederholbar. Geht die Antwort
unterwegs verloren — im Mobilnetz der Normalfall —, weiß der Client nicht, ob
seine Änderung ankam. Der Server merkt sich je Dokument die zuletzt
verarbeitete seq pro clientId und beantwortet eine Wiederholung mit dem
Ergebnis von damals, statt sie erneut anzuwenden.
Zeilenenden: Der Server normalisiert beim Speichern autoritativ auf LF (SPEC §12); der Client normalisiert beim Laden ebenfalls. Nur so hashen beide Seiten denselben Text.
Werkbaum-Besonderheiten sind mit dem Zeilenmodell automatisch abgedeckt:
Fortsetzungszeilen ( \), "-Beschreibungszeilen und der
----Beschreibungsteil sind schlicht physische Zeilen. Halbfertige
Zwischenzustände rendert Werkbaum mit Warnung weiter — zeilenweise Updates
sind hier risikoarm.
Faltmarken sind gewöhnliche Zeileninhalte. Klappt jemand im Diagramm
einen Teilbaum um, schreibt Werkbaum das als >/< in den Text zurück
(D38-Nachtrag 2); unter Live-Editing wird daraus ein ganz normaler PATCH,
den alle Beobachter sehen. Das ist bewusst so entschieden (D76): Der Text
bleibt die eine Quelle der Wahrheit (D14). Auch der Falt-Durchschalter (D75)
bekommt keine Sonderbehandlung, obwohl ein Druck den ganzen Baum umbaut.
API-Erweiterung (OpenAPI-Spec)
1. PATCH /documents/{id}/content — Änderung einreichen
Request: das Diff-Objekt oben.
-
200 OK: akzeptiert. Antwort:
{ "version": 42, "opsSinceBase": [ … ] }opsSinceBaseist leer, wenn die Basis noch aktuell war. War sie es nicht und ließen sich die Ops verschieben (siehe unten), stehen hier die fremden Ops, damit der Client seine Schattenkopie nachzieht. -
Der Server rebased selbst. Ist
baseVersionveraltet, überschneiden sich die eingereichten Ops aber nicht mit den zwischenzeitlichen, verschiebt der Server sie auf die aktuelle Version und akzeptiert. Grund: Reines Ablehnen führt zu Starvation — ein Client mit höherer Latenz kommt bei fleißigen Mitschreibern womöglich nie durch, weil jeder Versuch beim Eintreffen wieder veraltet ist. Genau deshalb hat CodeMirror seinrebaseUpdatesnachgerüstet. Nebengewinn: Der Client braucht seine Rebase-Logik nur noch für echte Konflikte. -
409 Conflict: nur bei echter Überlappung. Antwort enthält alles, was der Client zum Weiterarbeiten braucht — ohne Neuladen:
{ "currentVersion": 43, "opsSinceBase": [ ...Diff von baseVersion → currentVersion... ] }Der Client zeigt dann zwei Knöpfe: fremde Fassung übernehmen oder eigene durchsetzen — jeweils nur für die überlappenden Zeilen, alles übrige ist bereits rebased. An dieser Stelle gewinnt einer vollständig, aber nichts geht endgültig verloren: Jede Version steht in der Historie.
-
404: Dokument gelöscht (Restore-Hinweis in der Problem-Detail-Antwort).
-
422: Diff nicht anwendbar (Index außerhalb, Prüfsummenfehler) — deutet auf einen Client-Bug, Client lädt einmalig neu.
Überlappung, genau definiert. Der betroffene Bereich einer Op ist
[index, index+count) für replace und delete. Für insert ist er ein
Punkt bei index — nicht ein leeres Intervall, sonst überschnitte er
sich mit nichts und Einfüge-Konflikte blieben unerkannt. Daraus folgt:
- Zwei Einfügungen an derselben Stelle sind kein Konflikt. Beide Zeilen bleiben; die bereits bestätigte fremde steht oben.
- Eine Einfügung in einen Bereich, den ein anderer löscht, ist einer — die neue Zeile landete sonst in einem Abschnitt, den es nicht mehr gibt.
Titel: PATCH /documents/{id}/title (mit expectedVersion) ändert den
Titel; er ist ein Metadatum, kein Zeileninhalt. PUT /documents/{id} bleibt
als „Ganzdokument ersetzen" bestehen (Import, Reparatur) und wertet künftig
expectedVersion aus.
Grenzen: Dokumentgröße und Op-Anzahl je Request sind serverseitig begrenzt (sonst ist ein einzelner Request ein Ausfall-Vektor, auch versehentlich durch einen Client-Bug).
2. GET /documents/{id}/changes?since={version}&wait={seconds} — Änderungsfeed
Long Polling, der Kern der „Echtzeit ohne WebSocket"-Lösung.
Der Feed arbeitet auf der Historie, nicht am Dokument. delete() entfernt
das Dokument und lässt nur den Tombstone stehen — ein Feed am Dokument müsste
danach 404 liefern, ausgerechnet für das DELETED-Ereignis, das er zustellen
soll. Solange es Historieneinträge zur UUID gibt, antwortet der Feed also;
404 nur bei gänzlich unbekannter UUID (dieselbe Regel, die history()
schon anwendet). Wartende Long-Polls müssen beim Löschen zugestellt
bekommen, bevor die Warteliste verworfen wird.
-
Gibt es Änderungen nach
since: sofort 200 mit{ "fromVersion": 41, "currentVersion": 43, "ops": [ ...kumuliertes Diff 41 → 43... ], "events": [ { "version": 43, "changeType": "UPDATED", "clientId": "c-8a41…", "displayName": "Anna" } ] } -
Ist
sincebereits verdichtet (siehe „Zwei Ebenen" unten), kann der Server kein exaktes Diff mehr liefern. Dann enthält die Antwort stattopsden Volltext:{ "fromVersion": null, "currentVersion": 87, "content": "…", "events": [ … ] }Der Client ersetzt seinen Stand. Ein Roundtrip und ein Sonderzustand weniger als ein eigener Fehlerpfad — und der Cursor-Erhalt ist über hunderte Versionen hinweg ohnehin nicht zu retten. Deckt zugleich den PWA-Fall nach längerer Offline-Zeit ab.
-
Sonst hält der Server die Anfrage bis zu
waitSekunden offen. Kommt in der Zeit eine Änderung, antwortet er sofort; sonst 204 No Content, und der Client pollt erneut. Derwait-Wert wird serverseitig geklemmt — ein Client darf keine beliebig lange Verbindung binden. Die Obergrenze steht erst fest, wenn die Zielumgebung vermessen ist (siehe „Betrieb"). -
Die Antwort trägt
Cache-Control: no-store; ein Proxy dürfte sonst eine 204 zwischenspeichern und der Feed stünde still. -
Latenz: praktisch sofort. Kosten: 1 offene HTTP-Anfrage pro Beobachter, ~2,4 Requests/Minute im Leerlauf — rate-limit-freundlich, PWA-tauglich, kein WebSocket nötig.
Änderungstypen im Feed: UPDATED, DELETED, RESTORED, ROLLED_BACK
und RENAMED (dieses mit dem neuen Titel im Klartext).
RESTOREDheißt ausschließlich: ein gelöschtes Dokument ist wieder da — der Client hebt seine Sperre auf.ROLLED_BACKist der Rückfall eines lebenden Dokuments auf eine alte Version (restoremittargetVersion). Für den Client ist das ein gewöhnlicher Inhaltswechsel; er hatte nie eine Sperre. Bisher trugen beide Fälle denselben Typ — ein Typ, der zwei Dinge bedeutet, ist die Unschärfe, aus der später Fehler werden.
Client-Schleife eines Beobachters:
loop:
antwort = GET /changes?since=meineVersion&wait=25
wenn 200 mit ops: ops lokal anwenden, meineVersion = currentVersion
wenn 200 mit content: Stand ersetzen, meineVersion = currentVersion
wenn 204: weiter
Wichtig für den Client: Eine gepufferte Feed-Antwort darf nur
angewendet werden, wenn ihr fromVersion zur aktuellen Schattenkopie passt.
Sonst wendet er dieselben Ops doppelt an — der Fall tritt ein, wenn Feed und
409-Antwort beide dasselbe fremde Diff liefern.
Warum Long Polling und nicht SSE?
Server-Sent Events wären die Alternative (eine dauerhafte Verbindung, Push vom Server). Long Polling gewinnt hier, weil es (a) reines Request/Response-HTTP ist — testbar mit unseren Cucumber-Tests, (b) keinerlei Sonderbehandlung in Proxies/PWA-Service-Workern braucht und (c) bei 10 Beobachtern der Effizienzunterschied irrelevant ist. Ein späterer Umstieg auf SSE oder WebSocket ändert nur den Feed-Endpunkt; Diff-Format und Konfliktlogik bleiben identisch.
Serverseitige Umsetzung
- Diff anwenden: Snapshot der Basisversion laden (bzw. aktueller Stand,
wenn
baseVersion == currentVersion, der Normalfall), Prüfsumme vergleichen, Ops anwenden, als neue Version speichern. - Diff berechnen (für 409-Antwort und Feed): Zeilen-Diff zwischen zwei Snapshots (Myers oder eine einfache LCS-Implementierung).
- Rebase (siehe PATCH): Ops einer veralteten Basis gegen die zwischenzeitlichen verschieben, sofern sie sich nicht überschneiden.
- Long Polling: Spring MVC
DeferredResult+ ein In-Process-Notifier (pro Dokument eine Warteliste; Zustellung bei akzeptiertem Update und beim Löschen). Kein zusätzliches Framework nötig. Das setzt eine Einzelinstanz voraus — hinter einem Load Balancer erführe ein Beobachter auf der zweiten Instanz nichts und liefe in den Timeout. Bewusste Annahme, für die genannte Last angemessen. - Serialisierung: Updates pro Dokument strikt sequenziell (Locking pro Dokument-UUID), damit Prüfung, Rebase und Anwenden atomar sind.
Historie in zwei Ebenen
Mit 1,5 s Debounce wird die Historie sonst zum Transaktionslog: hunderte Volltext-Snapshots eines 40-kB-Dokuments je Sitzung. Getrennt werden deshalb:
- Sync-Versionen — tragen das Protokoll (Diffs zwischen beliebigen
Versionen), kurzlebig, werden nach einer Weile verdichtet. Danach
beantwortet der Feed betroffene
since-Werte mit Volltext (oben). - Meilensteine — die nutzersichtbare Historie. Sie entstehen nach einer Schreibpause und auf Knopfdruck; dasselbe Muster wie die „Früheren Stände" im Editor (D54), erprobt und den Nutzern vertraut.
DocumentHistoryRepository braucht dafür gezielten Zugriff auf eine
einzelne Version statt wie heute stets alle Einträge zu laden
(findByDocumentId liefert alles, restore/history filtern in Kotlin
darüber — bei hunderten Versionen je Dokument untragbar).
Betrieb — Zielumgebung vermessen (2026-08-26)
Gemessen auf mih00.hostsharing.net, wo die stabile Instanz
werkbaum.javagil.de liegt (D43):
| Befund | Wert | Bedeutung für Long Polling |
|---|---|---|
| Apache | 2.4.68 (Debian 12) | — |
| MPM | event | Kein Prozess je Verbindung; die Sorge aus dem ersten Entwurf entfällt |
| MaxRequestWorkers | 1024 (ServerLimit 64 × 32) | 10 offene Polls sind unkritisch |
Timeout |
300 s | wait=25 liegt weit darunter |
ProxyTimeout |
nicht gesetzt → 300 s | dito |
| mod_proxy_http, mod_rewrite | geladen | Reverse Proxy technisch möglich |
RewriteRule … [P] in .htaccess |
erlaubt (gemessen) | So kommt der Request zum Backend |
| Long-Poll durch Apache | 30 s gehalten (gemessen) | wait=25 trägt dort nachweislich |
| HTTP/2 | nicht angeboten | siehe unten |
| Java | nur 17 | Backend verlangt 21 |
systemd Linger |
yes | Ein eigener Dienst darf dauerhaft laufen |
| PostgreSQL | lauscht auf 5432 | Der in application.yaml angedachte Umstieg wäre möglich |
| Speicher | 3,9 GB im Host, davon ~300 MB frei | -Xmx ist Pflicht, siehe unten |
| Webspace-Grenze | MemoryMax=3147M (cgroup) |
Erlaubnis, keine Reservierung |
Long Polling trägt dort. Die Zeitgrenzen sind großzügig, und der Worker-Pool ist groß genug. Pufferung ist bei Long Polling ohnehin kein Thema — anders als bei SSE kommt genau eine Antwort am Ende des Wartens, kein Strom von Teilstücken.
Der Speicher ist die knappe Größe, nicht die Verbindungen. Der Host hat
3,9 GB und ist überbucht (Committed_AS 12,0 GB gegen CommitLimit 5,9 GB);
frei sind rund 300 MB, ein weiteres GB liegt bereits im Swap. Unser Webspace
darf laut cgroup 3147 MB nehmen — das ist aber eine Erlaubnis, kein
reservierter Speicher. Die JVM braucht deshalb ein ausdrückliches -Xmx,
bemessen am tatsächlich Freien: Ihre Voreinstellung von ¼ des physischen RAM
(≈ 980 MB) ist genau die Größenordnung, die auf diesem Host schon MariaDBs
Puffer in den Swap gedrängt hat. Zahlen und Herleitung: D76-Nachtrag 3.
Der einzige echte Einwand ist das fehlende HTTP/2. Damit gilt im Browser das Limit von sechs Verbindungen je Herkunft. Ein Long-Poll belegt eine davon; hat jemand denselben Plan in drei Tabs offen, sind drei Verbindungen dauerhaft gebunden und die übrigen Requests drängen sich in den Rest. Zu beheben wäre es serverseitig (HTTP/2 aktivieren) oder clientseitig, indem sich mehrere Tabs über einen SharedWorker eine Feed-Verbindung teilen.
Der Weg zum Backend steht: RewriteRule … [P] in der .htaccess.
ProxyPass ist dort nicht zulässig und ~/doms/<domain>/etc/ ist leer —
aber das P-Flag von mod_rewrite ist auf diesem Server erlaubt, was
manche Hoster sperren. Am 26.08.2026 mit einer temporären Regel und einem
lokalen Testprozess gemessen (danach vollständig zurückgebaut):
RewriteEngine On
RewriteRule ^api/(.*)$ http://127.0.0.1:<port>/api/$1 [P,L]
- sofortige Antwort: HTTP 200 nach 0,13 s
- absichtlich verzögerte Antwort: HTTP 200 nach 30,1 s — Apache hält die
Verbindung also durch und puffert nichts weg. Damit ist Long Polling mit
wait=25auf dieser Umgebung nicht nur rechnerisch, sondern gemessen tragfähig.
Zu beachten: scripts/deploy-prod.sh spiegelt die .htaccess mit
rsync --delete aus scripts/prod.htaccess. Die Proxy-Regel gehört deshalb
dorthin, sonst ist sie nach dem nächsten Deploy weg.
Offen bleibt Java: installiert ist 17, build.gradle.kts verlangt
JavaLanguageVersion.of(21). Entschieden ist, ein eigenes JDK 21 ins Home
zu legen (kein Root nötig, Linger=yes erlaubt den dauerhaften Dienst) statt
die Toolchain zu senken — Entwicklung und Produktion laufen dann auf
derselben Version. Ein natives Binary via GraalVM wäre der elegantere Weg
(kein Java auf dem Server, ein Bruchteil des knappen RAM), scheitert aber
vorerst an dreierlei: der glibc-Differenz zwischen Ubuntu 24.04 (2.39) und
Debian 12 (2.36), die einen Container-Build erzwingt; dem Umstand, dass
Liquibase Metadaten aus einem Native-Agent-Lauf braucht und Hibernate das
Enhancement-Plugin; und einem offenen Fehler in Spring Boot 4, der genau die
Kombination JPA + Liquibase im Native-Image-Build zerlegt. Vorgemerkt, nicht
verworfen.
Grenzen der simplen Variante (bewusst akzeptiert)
- Konflikterkennung auf Dokumentebene mit serverseitigem Rebase: Zwei Editoren an verschiedenen Stellen stören einander nicht mehr; ein 409 gibt es nur bei echter Überlappung derselben Zeilen.
- Kein Präsenz-Feature (wer ist online, fremde Cursor). Später über ein
leichtgewichtiges
presence-Feld im Feed nachrüstbar —clientIdund Anzeigename gibt es dafür schon; das!!!-Fokusmark des Formats kann ergänzend genutzt werden. - Clientseitige Verschlüsselung: Das Protokoll transportiert Zeilen als opake Strings und funktioniert unverändert mit Ciphertext pro Zeile — nur das serverseitige Diff-Berechnen und Rebasen entfiele dann (Clients müssten Ops immer selbst liefern; die Struktur erlaubt das bereits).
Teststrategie
- Cucumber: „Client B sieht die Änderung von Client A im Feed",
„veraltete Basis ohne Überlappung wird serverseitig rebased und akzeptiert",
„veraltete Basis mit Überlappung liefert 409 mit opsSinceBase",
„derselbe PATCH zweimal gesendet ändert das Dokument nur einmal",
„falsche Prüfsumme liefert 422", „Feed meldet DELETED und danach RESTORED",
„zu altes since liefert Volltext", „Umbenennen erscheint als RENAMED".
Long Polling braucht dafür Nebenläufigkeit im Test (zwei Threads oder
asynchrones MockMvc) und einen klein konfigurierbaren
wait-Wert — der heutige synchroneTestRestTemplate-Stil allein reicht nicht. - Unit-Tests: Diff-Anwendung (alle drei Ops, Randfälle: leeres Dokument,
Anhängen, letzte Zeile), Diff-Berechnung, Index-Verschiebung, die
Überlappungsregeln für
insert(untereinander verträglich, mitdeletenicht), Prüfsummenbildung samt Zeilenenden-Normalisierung.
Umsetzungsreihenfolge
- Diff-Modell + Anwenden/Berechnen/Rebasen als reine Kotlin-Funktionen (Unit-Tests)
- Historie in zwei Ebenen + gezielter Repository-Zugriff
PATCH /contentinkl. Rebase, Idempotenz, Prüfsumme und 409 (Spec + Cucumber)GET /changesmit Long Polling, Volltext-Fall und Ereignistypen (Spec + Cucumber)- Master-Passwort für
GET /documents(Spring Security) - Client-Anpassung (Feed-Schleife, lokales Anwenden, Konfliktdialog)
Vor Schritt 4 steht die Vermessung der Zielumgebung (siehe „Betrieb") —
sie bestimmt den wait-Wert und im Extremfall, ob Long Polling dort
überhaupt trägt.