perf(live): Debounce 600 ms, Sync-Versionen nur noch 5 Minuten (D79)

Gemeldet: ~3 s Verzoegerung zwischen zwei Browsern. Zerlegt statt geraten -
von 1,73 s gemessenem Weg A->B entfallen 1,67 s auf die Wartezeit vor dem
Senden. Alles andere sind zusammen ~70 ms.

Zwei Verdaechtige sind freigesprochen: Der Server weckt den wartenden Feed
39 ms nach dem PATCH (isoliert per curl, ohne Browser), und der Apache der
produktiven Instanz haelt den Long-Poll die vollen 25 s durch und schliesst
sauber mit 204 - kein Fenster ohne offenen Feed, kein 5-Sekunden-Fehlerpfad.
Produktiv kommen ~130 ms Rundlauf je Anfrage dazu.

Der Debounce bleibt ein Debounce (kein Takt): Wer durchtippt, erzeugt
weiterhin keine Version. Der Grund fuer die 1,5 s stammte aus der
Rate-Limit-Disziplin des Etherpad-Konzepts - und Etherpad ist ausgebaut (D78).

Die Aufbewahrung zahlt die haeufigeren Pushes: Jede Version speichert den
ganzen Text, und die Frist entscheidet einzig, ob ein zurueckgefallener Client
ein Diff oder den Volltext bekommt. Nutzersichtbar sind die Meilensteine, und
die werden nie verdichtet; zurueckfallen kann nur ein ruhender Feed
(Hintergrund-Tab). Zusammen sinkt die Spitze je aktiv getipptem Dokument von
115 MB auf 24 MB (49-kB-Plan, Dauertippen).

Dabei gefunden: Eine Schreibpause laenger als die Frist war mit einer Stunde
der Ausnahmefall und ist mit fuenf Minuten der Normalfall. Dass die letzte
Sync-Version davor nicht verlorengeht, haengt allein daran, dass
recordHistory() zuerst befoerdert und danach verdichtet - sonst loeschte die
Verdichtung genau den Stand, den die Befoerderung gleich zum Meilenstein
gemacht haette. Die Reihenfolge hat jetzt eine Zusicherung; vertauscht faellt
genau der danach benannte Test.

Werkzeuggrenze notiert: Der Automatisierungs-Browser zeigt seine Flaeche nicht
an, Chrome drosselt Timer verborgener Seiten auf 1 Hz (gemessen: ein blanker
setTimeout(600) feuert nach 999-1053 ms). Ein Sub-Sekunden-Debounce ist dort
grundsaetzlich nicht messbar.

501 Frontend-Tests, 139 Backend-Tests.
This commit is contained in:
mhoennig
2026-08-26 20:53:02 +02:00
parent bfacbe96e5
commit 627f6feca8
11 changed files with 140 additions and 13 deletions
+75
View File
@@ -6744,3 +6744,78 @@ Textfeld liegt mit dem Zahlenstreifen bündig (1151 + 20 px), die Zeilennummern
sitzen auf ihren Höhen, Pfad und Stationen werden gezeichnet; der
Legenden-Splitter teilt wie zuvor. 501 Tests (die 24 Pad-Adress-Tests sind mit
`remote.js` gegangen, `padGone` ist dazugekommen).
## D79 — Debounce auf 600 ms, Sync-Versionen nur noch fünf Minuten
Gemeldet: „der Delay beim Live-Editing zwischen zwei Browsern ist ca. 3 s, das
ist zu träge." Nachgemessen und zerlegt, statt am Gefühl zu drehen.
**Die Wartezeit vor dem Senden IST die Verzögerung.** Der Weg A → B in Zahlen
(lokal, Wanduhr beider Tabs):
| Abschnitt | gemessen |
|---|---|
| Tippen → PATCH raus | 1666 ms |
| PATCH-Rundlauf | 48 ms |
| Feed-Antwort bei B | 9 ms danach |
| Text steht bei B | 11 ms |
Alles außer dem Debounce sind zusammen rund 70 ms. Zwei Verdächtige sind
ausdrücklich **freigesprochen**: Der Server weckt den wartenden Feed **39 ms**
nach dem PATCH (isoliert per curl gemessen, ohne Browser), und der Apache der
produktiven Instanz hält den Long-Poll die vollen **25 s** durch und schließt
sauber mit 204 — es gibt also kein Fenster ohne offenen Feed und keinen
5-Sekunden-Fehlerpfad (`LIVE_RETRY_MS`). Produktiv kommen ~130 ms Rundlauf je
Anfrage dazu (gemessen, TLS eingeschlossen), macht ≈ 1,8 s.
Die gemeldeten 3 s liegen darüber, und der Rest steckt in der Wahrnehmung —
das ist keine Ausrede, sondern eine **Eigenschaft des Debounce**: Die Uhr
startet bei jedem Tastendruck neu. Gefühlt beginnt die Wartezeit, wenn der
Gedanke fertig ist; gerechnet beim letzten Anschlag.
**Entschieden (Nutzer): 600 ms, und es bleibt ein Debounce.** Erwogen war, aus
dem Debounce eine **Drossel** zu machen (regelmäßig senden statt nur in der
Pause) — verworfen: Wer durchtippt, soll weiterhin keine Version erzeugen. Der
Grund, aus dem D76 bei 1,5 s blieb, trägt ohnehin nicht mehr: Er stammte aus
der Rate-Limit-Disziplin des Etherpad-Konzepts, und Etherpad ist ausgebaut
(D78).
**Die zweite Hälfte ist die Aufbewahrung — und sie zahlt die erste.** Jede
Version speichert den **ganzen** Text; Sync-Versionen lagen eine Stunde. Wofür
ist die Frist überhaupt da? Für genau eines: ob ein zurückgefallener Client ein
**Diff** bekommt oder den **Volltext**. Nutzersichtbar ist die Historie der
**Meilensteine**, und die wird nie verdichtet. Wer einen offenen Feed hat,
fällt gar nicht zurück — zurückfallen kann nur, wessen Feed **ruht**
(Hintergrund-Tab, D76-Nachtrag 1). Fünf Minuten decken die kurze Abwesenheit
ab, alles darüber bekommt anstandslos den Volltext.
Zusammen **sinkt** der Platzbedarf, obwohl öfter gesendet wird — gerechnet mit
dem mitgelieferten Plan (49 kB), Dauertippen als Spitze:
| | Versionen/min | Frist | Spitze je Dokument |
|---|---|---|---|
| vorher | 40 | 60 min | **115 MB** |
| nachher | 100 | 5 min | **24 MB** |
Auf einem Host mit rund 300 MB frei (D76-Nachtrag 3) ist das der Unterschied,
der zählt.
**Dabei gefunden, und erst durch die kurze Frist gefährlich:** Eine Schreibpause
**länger als die Aufbewahrungsfrist** war mit einer Stunde der Ausnahmefall und
ist mit fünf Minuten der Normalfall. Dass die letzte Sync-Version davor
trotzdem nicht verlorengeht, hängt an einer einzigen Sache — `recordHistory()`
**befördert zuerst und verdichtet danach**. In der anderen Reihenfolge löschte
die Verdichtung genau den Stand, den die Beförderung gleich zum Meilenstein
gemacht hätte: ein nutzersichtbarer Stand wäre still weg. Die Reihenfolge war
bisher nur eine Anordnung von Anweisungen; sie hat jetzt eine Zusicherung
(`verifyOrder`). Gegenprobe: vertauscht fällt genau der danach benannte Test.
**Werkzeuggrenze, die diese Messung fast verdorben hätte.** Der
Automatisierungs-Browser zeigt seine Fläche nicht an, die Seite ist damit
wirklich verborgen — und Chrome drosselt Timer verborgener Seiten auf **1 Hz**.
Der `document.hidden`-Stub belügt die App, nicht den Scheduler. Nachgemessen:
ein blanker `setTimeout(…, 600)` feuert dort nach 9991053 ms. Ein
Sub-Sekunden-Debounce ist in dieser Umgebung **grundsätzlich nicht messbar**;
die 600 ms sind gesetzt, und was daneben liegt (Server 39 ms, Rundlauf 130 ms,
PATCH → sichtbar 46 ms) ist einzeln gemessen. Dieselbe Lehre wie D25
(synthetische `TouchEvent`s), D17-Nachtrag 4 (Bildschirmtastatur) und D53
(synthetisches Strg+Z): Was die Umgebung stellt, stellt der Emulator nicht.