docs: Live-Editing-Konzept entschieden und eingearbeitet (D76)

Die offenen Punkte der beiden Entwuerfe sind beantwortet und in beide
Dokumente eingearbeitet. Die wichtigsten Aenderungen am Protokoll:

- Der Server rebased selbst; 409 nur noch bei echter Ueberlappung. Reines
  Ablehnen fuehrt zu Starvation - ein Client mit hoeherer Latenz kommt bei
  fleissigen Mitschreibern womoeglich nie durch.
- Der Feed arbeitet auf der Historie statt am Dokument, sonst koennte er
  ausgerechnet das Loeschen nicht melden, das er melden soll.
- Historie in zwei Ebenen: kurzlebige Sync-Versionen und nutzersichtbare
  Meilensteine (nach Schreibpause und auf Knopfdruck, wie D54).
- Pruefsumme als Pflichtfeld, clientId + seq gegen doppelt angewendete
  Patches, Volltext im Feed fuer zu alte Staende, eigener Aenderungstyp fuer
  den Rollback, Titel im Feed-Ereignis.
- Zugriff ueber die unerratbare UUID; GET /documents bekommt ein
  Master-Passwort (Spring Security).

Die Client-Instruktion war fuer ein anderes Frontend geschrieben: Sie nannte
CodeMirror, TypeScript, jsdiff und MSW. Werkbaum hat eine rohe textarea,
Vanilla JS und keine Laufzeit-Abhaengigkeiten - CodeMirror bleibt eine eigene
Entscheidung (gemessen: 120 kB gzip Einstieg, danach nur 18 kB fuer alles
Weitere).

Zielumgebung vermessen: Apache 2.4.68 mit MPM event, 1024 Worker,
Timeout 300 - Long Polling traegt dort. Offen bleiben fehlendes HTTP/2,
nur Java 17 statt 21 und der ungeklaerte Weg vom Apache zum Backend.

Co-Authored-By: Claude Opus 5 <noreply@anthropic.com>
This commit is contained in:
mhoennig
2026-08-26 15:04:00 +02:00
co-authored by Claude Opus 5
parent 40db41531e
commit 2540bbf0a7
3 changed files with 702 additions and 199 deletions
+270 -76
View File
@@ -1,6 +1,9 @@
# Proposal: Live-Editing über HTTP (Variante „Simpel")
# Live-Editing über HTTP (Variante „Simpel")
Status: Entwurf zur Diskussion — noch nichts implementiert.
Status: **Konzept entschieden** (D76), noch nichts implementiert. Die offenen
Punkte des ersten Entwurfs sind beantwortet; die Begründungen stehen in
`docs/DECISIONS.md` unter D76 und werden hier nicht wiederholt, sondern nur
verwiesen.
## Ziel und Rahmenbedingungen
@@ -8,10 +11,10 @@ Status: Entwurf zur Diskussion — noch nichts implementiert.
ca. **10 Beobachter**, davon **23 gelegentliche Editoren**, praktisch nie
in derselben Sekunde.
- **Nur HTTP**, kein WebSocket. Wenige, sparsame Requests (Lehre aus den
aggressiven Rate-Limits der Etherpad-Integration).
aggressiven Rate-Limits der Etherpad-Integration, D31).
- **Kein Neuladen des Dokuments** im Normalbetrieb: Clients erhalten
Zeilen-Diffs und wenden sie lokal an, damit Cursor/Scrollposition erhalten
bleiben.
bleiben. Ausnahmen sind benannt (Prüfsummenfehler, zu alter Stand).
- Das Werkbaum-Format ist **zeilenorientiert**; Zeilen-IDs (`#id`) sind
optional und identifizieren Knoten, nicht Zeilen. Das Protokoll arbeitet
deshalb ausschließlich auf **physischen Zeilen** und braucht keine IDs.
@@ -19,12 +22,28 @@ Status: Entwurf zur Diskussion — noch nichts implementiert.
entscheidet** (rebase, neu laden, verwerfen). Das Dokument darf nie
kaputtgehen.
### Zugriff und Identität
- **Zugriff über die unerratbare Dokument-UUID**, wie ein Pad-Link: kein
Login, kein Rechtemodell. Echte Authentifizierung kommt später als Schicht
davor; das Protokoll bleibt davon unberührt.
- **`GET /documents` verlangt ein Master-Passwort** (Hash serverseitig in
einer Umgebungsvariable, geprüft über Spring Security). Ohne diesen Schutz
wäre jede UUID auflistbar und das Modell hinfällig. Der Endpunkt braucht
eine **Sperre nach Fehlversuchen**, und die Übertragung setzt HTTPS voraus.
- **Identität ist pseudonym**: Jeder Client führt eine zufällige `clientId`
und einen selbstgewählten Anzeigenamen (Etherpad-Modell). Ohne Anmeldung
ist der Name eine Behauptung und darf in der Oberfläche nicht wie ein
Nachweis aussehen. Er trägt: Wiedererkennung beim Retry, „geändert von" in
der Historie, die Reihenfolge bei gleichzeitigen Einfügungen und spätere
Präsenz.
## Grundidee in einem Satz
Jede Dokumentänderung ist ein **zeilenbasiertes Diff gegen eine
Basisversion**; der Server akzeptiert es nur, wenn die Basisversion noch die
aktuelle ist (Optimistic Locking auf Dokumentebene), und verteilt akzeptierte
Diffs über **Long Polling** an alle Beobachter.
Basisversion**; der Server wendet es an — notfalls auf eine neuere Version
verschoben — und verteilt das Ergebnis über **Long Polling** an alle
Beobachter.
## Datenmodell: das Zeilen-Diff
@@ -35,6 +54,9 @@ Operationen sind nach Index aufsteigend sortiert und überlappen nicht.
```json
{
"baseVersion": 41,
"checksum": "sha256:9f2b…",
"clientId": "c-8a41…",
"seq": 17,
"ops": [
{ "op": "replace", "index": 12, "count": 1,
"lines": [" - [~] Backend (L) @ben"] },
@@ -51,15 +73,38 @@ Operationen sind nach Index aufsteigend sortiert und überlappen nicht.
- `delete`: `count` Zeilen ab `index` entfallen.
Warum Indizes statt Inhalts-Hashes reichen: Der Server kennt die
Basisversion vollständig (Historie speichert Snapshots). Version + Index ist
damit eindeutig — auch bei identischen Zeilen (Leerzeilen!). Ein optionales
`"checksum"`-Feld (Hash des Gesamtdokuments der Basisversion) dient nur als
Integritätsprüfung gegen Client-Bugs.
Basisversion vollständig. Version + Index ist damit eindeutig — auch bei
identischen Zeilen (Leerzeilen!).
Werkbaum-Besonderheiten sind damit automatisch abgedeckt: Fortsetzungszeilen
(` \`), `"`-Beschreibungszeilen und der `---`-Beschreibungsteil sind schlicht
physische Zeilen. Halbfertige Zwischenzustände rendert Werkbaum mit Warnung
weiter — zeilenweise Updates sind hier risikoarm.
**`checksum` ist Pflicht** (Hash des gesamten Basistexts). Die Versionsnummer
bestätigt nur, dass die Basis dieselbe *Version* ist, nicht dass beide Seiten
sie *gleich lesen*; ein Index-Versatz zerstörte Text sonst unbemerkt. Passt
die Prüfsumme nicht, antwortet der Server mit **422**, und der Client lädt
einmalig komplett neu. Siehe D76, Begründung im Geist von D59 („lieber der
laute Fehler").
**`clientId` und `seq` machen den PATCH wiederholbar.** Geht die Antwort
unterwegs verloren — im Mobilnetz der Normalfall —, weiß der Client nicht, ob
seine Änderung ankam. Der Server merkt sich je Dokument die zuletzt
verarbeitete `seq` pro `clientId` und beantwortet eine Wiederholung mit dem
Ergebnis von damals, statt sie erneut anzuwenden.
**Zeilenenden:** Der **Server** normalisiert beim Speichern autoritativ auf
LF (SPEC §12); der Client normalisiert beim Laden ebenfalls. Nur so hashen
beide Seiten denselben Text.
Werkbaum-Besonderheiten sind mit dem Zeilenmodell automatisch abgedeckt:
Fortsetzungszeilen (` \`), `"`-Beschreibungszeilen und der
`---`-Beschreibungsteil sind schlicht physische Zeilen. Halbfertige
Zwischenzustände rendert Werkbaum mit Warnung weiter — zeilenweise Updates
sind hier risikoarm.
**Faltmarken sind gewöhnliche Zeileninhalte.** Klappt jemand im Diagramm
einen Teilbaum um, schreibt Werkbaum das als `>`/`<` in den Text zurück
(D38-Nachtrag 2); unter Live-Editing wird daraus ein ganz normaler PATCH,
den alle Beobachter sehen. Das ist bewusst so entschieden (D76): Der Text
bleibt die eine Quelle der Wahrheit (D14). Auch der Falt-Durchschalter (D75)
bekommt keine Sonderbehandlung, obwohl ein Druck den ganzen Baum umbaut.
## API-Erweiterung (OpenAPI-Spec)
@@ -67,11 +112,27 @@ weiter — zeilenweise Updates sind hier risikoarm.
Request: das Diff-Objekt oben.
- **200 OK**: akzeptiert. Antwort: `{ "version": 42 }` (neue Version).
Der Server wendet das Diff an, inkrementiert die Dokumentversion, schreibt
einen Historieneintrag (ChangeType `UPDATED`).
- **409 Conflict**: `baseVersion` ist nicht mehr aktuell. Antwort enthält
alles, was der Client zum Weiterarbeiten braucht — **ohne Neuladen**:
- **200 OK**: akzeptiert. Antwort:
```json
{ "version": 42, "opsSinceBase": [ … ] }
```
`opsSinceBase` ist leer, wenn die Basis noch aktuell war. War sie es nicht
und ließen sich die Ops verschieben (siehe unten), stehen hier die fremden
Ops, damit der Client seine Schattenkopie nachzieht.
- **Der Server rebased selbst.** Ist `baseVersion` veraltet, überschneiden
sich die eingereichten Ops aber **nicht** mit den zwischenzeitlichen,
verschiebt der Server sie auf die aktuelle Version und akzeptiert. Grund:
Reines Ablehnen führt zu **Starvation** — ein Client mit höherer Latenz
kommt bei fleißigen Mitschreibern womöglich nie durch, weil jeder Versuch
beim Eintreffen wieder veraltet ist. Genau deshalb hat CodeMirror sein
`rebaseUpdates` nachgerüstet. Nebengewinn: Der Client braucht seine
Rebase-Logik nur noch für echte Konflikte.
- **409 Conflict**: nur bei **echter Überlappung**. Antwort enthält alles,
was der Client zum Weiterarbeiten braucht — ohne Neuladen:
```json
{
@@ -80,60 +141,115 @@ Request: das Diff-Objekt oben.
}
```
Der Client entscheidet:
- **Rebase**: fremde Ops lokal anwenden; überlappen sie nicht mit den
eigenen Änderungen, eigene Ops auf neue Indizes verschieben und erneut
senden. Deckt den häufigsten Fall („jemand hat weiter oben editiert")
ohne Nutzerinteraktion ab.
- **Konflikt anzeigen**: bei Überlappung Nutzer fragen (übernehmen /
verwerfen / manuell mergen).
- **404**: Dokument gelöscht (Restore-Hinweis in der Problem-Detail-Antwort).
- **422**: Diff nicht anwendbar (Index außerhalb, Checksum-Fehler) —
deutet auf einen Client-Bug, Client sollte neu laden.
Der Client zeigt dann zwei Knöpfe: **fremde Fassung übernehmen** oder
**eigene durchsetzen** — jeweils nur für die überlappenden Zeilen, alles
übrige ist bereits rebased. An dieser Stelle gewinnt einer vollständig,
aber nichts geht endgültig verloren: Jede Version steht in der Historie.
`PUT /documents/{id}` bleibt als „Ganzdokument ersetzen" bestehen
(Import, Reparatur), wertet aber künftig `expectedVersion` aus.
- **404**: Dokument gelöscht (Restore-Hinweis in der Problem-Detail-Antwort).
- **422**: Diff nicht anwendbar (Index außerhalb, **Prüfsummenfehler**) —
deutet auf einen Client-Bug, Client lädt einmalig neu.
**Überlappung, genau definiert.** Der betroffene Bereich einer Op ist
`[index, index+count)` für `replace` und `delete`. Für `insert` ist er ein
**Punkt** bei `index` — nicht ein leeres Intervall, sonst überschnitte er
sich mit nichts und Einfüge-Konflikte blieben unerkannt. Daraus folgt:
- Zwei Einfügungen an derselben Stelle sind **kein** Konflikt. Beide Zeilen
bleiben; die bereits bestätigte fremde steht oben.
- Eine Einfügung in einen Bereich, den ein anderer **löscht**, ist einer —
die neue Zeile landete sonst in einem Abschnitt, den es nicht mehr gibt.
**Titel:** `PATCH /documents/{id}/title` (mit `expectedVersion`) ändert den
Titel; er ist ein Metadatum, kein Zeileninhalt. `PUT /documents/{id}` bleibt
als „Ganzdokument ersetzen" bestehen (Import, Reparatur) und wertet künftig
`expectedVersion` aus.
**Grenzen:** Dokumentgröße und Op-Anzahl je Request sind serverseitig
begrenzt (sonst ist ein einzelner Request ein Ausfall-Vektor, auch
versehentlich durch einen Client-Bug).
### 2. `GET /documents/{id}/changes?since={version}&wait={seconds}` — Änderungsfeed
Long Polling, der Kern der „Echtzeit ohne WebSocket"-Lösung:
Long Polling, der Kern der „Echtzeit ohne WebSocket"-Lösung.
- Gibt es bereits Änderungen nach `since`: **sofort 200** mit
**Der Feed arbeitet auf der Historie, nicht am Dokument.** `delete()` entfernt
das Dokument und lässt nur den Tombstone stehen — ein Feed am Dokument müsste
danach 404 liefern, ausgerechnet für das `DELETED`-Ereignis, das er zustellen
soll. Solange es Historieneinträge zur UUID gibt, antwortet der Feed also;
**404 nur bei gänzlich unbekannter UUID** (dieselbe Regel, die `history()`
schon anwendet). Wartende Long-Polls müssen beim Löschen **zugestellt
bekommen**, bevor die Warteliste verworfen wird.
- Gibt es Änderungen nach `since`: **sofort 200** mit
```json
{
"fromVersion": 41,
"currentVersion": 43,
"ops": [ ...kumuliertes Diff 41 → 43... ],
"events": [ { "version": 43, "changeType": "UPDATED" } ]
"events": [
{ "version": 43, "changeType": "UPDATED",
"clientId": "c-8a41…", "displayName": "Anna" }
]
}
```
- Sonst hält der Server die Anfrage bis zu `wait` Sekunden offen
(Empfehlung: 25 s, unterhalb üblicher Proxy-Timeouts). Kommt in der Zeit
eine Änderung, antwortet er sofort; sonst **204 No Content**, und der
Client pollt erneut.
- **Ist `since` bereits verdichtet** (siehe „Zwei Ebenen" unten), kann der
Server kein exaktes Diff mehr liefern. Dann enthält die Antwort statt `ops`
den **Volltext**:
```json
{ "fromVersion": null, "currentVersion": 87, "content": "…", "events": [ … ] }
```
Der Client ersetzt seinen Stand. Ein Roundtrip und ein Sonderzustand
weniger als ein eigener Fehlerpfad — und der Cursor-Erhalt ist über
hunderte Versionen hinweg ohnehin nicht zu retten. Deckt zugleich den
PWA-Fall nach längerer Offline-Zeit ab.
- Sonst hält der Server die Anfrage bis zu `wait` Sekunden offen. Kommt in
der Zeit eine Änderung, antwortet er sofort; sonst **204 No Content**, und
der Client pollt erneut. Der `wait`-Wert wird **serverseitig geklemmt** —
ein Client darf keine beliebig lange Verbindung binden. Die Obergrenze
steht erst fest, wenn die Zielumgebung vermessen ist (siehe „Betrieb").
- Die Antwort trägt **`Cache-Control: no-store`**; ein Proxy dürfte sonst
eine 204 zwischenspeichern und der Feed stünde still.
- Latenz: praktisch sofort. Kosten: **1 offene HTTP-Anfrage pro Beobachter**,
~2,4 Requests/Minute im Leerlauf — rate-limit-freundlich, PWA-tauglich,
kein WebSocket nötig.
- `DELETED`/`RESTORED` erscheinen als Events im Feed, damit Beobachter auch
Löschung/Wiederherstellung live mitbekommen.
**Änderungstypen im Feed:** `UPDATED`, `DELETED`, `RESTORED`, `ROLLED_BACK`
und `RENAMED` (dieses mit dem neuen Titel im Klartext).
- **`RESTORED` heißt ausschließlich: ein gelöschtes Dokument ist wieder da** —
der Client hebt seine Sperre auf.
- **`ROLLED_BACK`** ist der Rückfall eines *lebenden* Dokuments auf eine alte
Version (`restore` mit `targetVersion`). Für den Client ist das ein
gewöhnlicher Inhaltswechsel; er hatte nie eine Sperre. Bisher trugen beide
Fälle denselben Typ — ein Typ, der zwei Dinge bedeutet, ist die Unschärfe,
aus der später Fehler werden.
Client-Schleife eines Beobachters:
```
loop:
antwort = GET /changes?since=meineVersion&wait=25
wenn 200: ops lokal anwenden, meineVersion = currentVersion,
Cursor-Indizes um Verschiebungen oberhalb korrigieren
wenn 204: weiter
wenn 200 mit ops: ops lokal anwenden, meineVersion = currentVersion
wenn 200 mit content: Stand ersetzen, meineVersion = currentVersion
wenn 204: weiter
```
**Wichtig für den Client:** Eine gepufferte Feed-Antwort darf **nur**
angewendet werden, wenn ihr `fromVersion` zur aktuellen Schattenkopie passt.
Sonst wendet er dieselben Ops doppelt an — der Fall tritt ein, wenn Feed und
409-Antwort beide dasselbe fremde Diff liefern.
### Warum Long Polling und nicht SSE?
Server-Sent Events wären die Alternative (eine dauerhafte Verbindung,
Push vom Server). Long Polling gewinnt hier, weil es (a) reines
Request/Response-HTTP ist — trivial mit unseren Cucumber-Tests testbar,
Request/Response-HTTP ist — testbar mit unseren Cucumber-Tests,
(b) keinerlei Sonderbehandlung in Proxies/PWA-Service-Workern braucht und
(c) bei 10 Beobachtern der Effizienzunterschied irrelevant ist. Ein
späterer Umstieg auf SSE oder WebSocket ändert nur den Feed-Endpunkt;
@@ -141,50 +257,128 @@ Diff-Format und Konfliktlogik bleiben identisch.
## Serverseitige Umsetzung
- **Diff anwenden**: Snapshot der Basisversion aus der Historie laden
(bzw. aktueller Stand, wenn `baseVersion == currentVersion`, der
Normalfall), Ops anwenden, als neue Version speichern.
- **Diff anwenden**: Snapshot der Basisversion laden (bzw. aktueller Stand,
wenn `baseVersion == currentVersion`, der Normalfall), Prüfsumme
vergleichen, Ops anwenden, als neue Version speichern.
- **Diff berechnen** (für 409-Antwort und Feed): Zeilen-Diff zwischen zwei
Snapshots aus der Historie (Standard-Algorithmus, z. B. Myers über
`java.util`-nahe Bibliothek oder eigene simple Implementierung).
Alternativ können eingereichte Ops pro Version direkt mitgespeichert
werden — Optimierung, kein Muss für v1.
Snapshots (Myers oder eine einfache LCS-Implementierung).
- **Rebase** (siehe PATCH): Ops einer veralteten Basis gegen die
zwischenzeitlichen verschieben, sofern sie sich nicht überschneiden.
- **Long Polling**: Spring MVC `DeferredResult` + ein In-Process-Notifier
(pro Dokument eine Warteliste; `notifyAll` bei akzeptiertem Update).
Kein zusätzliches Framework nötig.
(pro Dokument eine Warteliste; Zustellung bei akzeptiertem Update **und**
beim Löschen). Kein zusätzliches Framework nötig. **Das setzt eine
Einzelinstanz voraus** — hinter einem Load Balancer erführe ein Beobachter
auf der zweiten Instanz nichts und liefe in den Timeout. Bewusste Annahme,
für die genannte Last angemessen.
- **Serialisierung**: Updates pro Dokument strikt sequenziell
(Locking pro Dokument-UUID), damit Versionsprüfung + Anwenden atomar sind.
- **Historie**: unverändert Snapshots; das Keyframe/Kompressions-Schema aus
der Speicher-Evaluation ist eine spätere, unabhängige Optimierung hinter
dem `DocumentHistoryRepository`-Interface.
(Locking pro Dokument-UUID), damit Prüfung, Rebase und Anwenden atomar sind.
### Historie in zwei Ebenen
Mit 1,5 s Debounce wird die Historie sonst zum Transaktionslog: hunderte
Volltext-Snapshots eines 40-kB-Dokuments je Sitzung. Getrennt werden deshalb:
- **Sync-Versionen** — tragen das Protokoll (Diffs zwischen beliebigen
Versionen), kurzlebig, werden nach einer Weile verdichtet. Danach
beantwortet der Feed betroffene `since`-Werte mit Volltext (oben).
- **Meilensteine** — die nutzersichtbare Historie. Sie entstehen **nach einer
Schreibpause und auf Knopfdruck**; dasselbe Muster wie die „Früheren
Stände" im Editor (D54), erprobt und den Nutzern vertraut.
`DocumentHistoryRepository` braucht dafür **gezielten Zugriff auf eine
einzelne Version** statt wie heute stets alle Einträge zu laden
(`findByDocumentId` liefert alles, `restore`/`history` filtern in Kotlin
darüber — bei hunderten Versionen je Dokument untragbar).
## Betrieb — Zielumgebung vermessen (2026-08-26)
Gemessen auf `mih00.hostsharing.net`, wo die stabile Instanz
`werkbaum.javagil.de` liegt (D43):
| Befund | Wert | Bedeutung für Long Polling |
|---|---|---|
| Apache | 2.4.68 (Debian 12) | — |
| MPM | **event** | Kein Prozess je Verbindung; die Sorge aus dem ersten Entwurf entfällt |
| MaxRequestWorkers | **1024** (ServerLimit 64 × 32) | 10 offene Polls sind unkritisch |
| `Timeout` | **300 s** | `wait=25` liegt weit darunter |
| `ProxyTimeout` | nicht gesetzt → 300 s | dito |
| mod_proxy_http, mod_rewrite | geladen | Reverse Proxy technisch möglich |
| HTTP/2 | **nicht angeboten** | siehe unten |
| Java | **nur 17** | Backend verlangt 21 |
| systemd `Linger` | **yes** | Ein eigener Dienst darf dauerhaft laufen |
| PostgreSQL | lauscht auf 5432 | Der in `application.yaml` angedachte Umstieg wäre möglich |
**Long Polling trägt dort.** Die Zeitgrenzen sind großzügig, und der
Worker-Pool ist groß genug. **Pufferung ist bei Long Polling ohnehin kein
Thema** — anders als bei SSE kommt genau eine Antwort am Ende des Wartens,
kein Strom von Teilstücken.
**Der einzige echte Einwand ist das fehlende HTTP/2.** Damit gilt im Browser
das Limit von sechs Verbindungen je Herkunft. Ein Long-Poll belegt eine
davon; hat jemand denselben Plan in drei Tabs offen, sind drei Verbindungen
dauerhaft gebunden und die übrigen Requests drängen sich in den Rest. Zu
beheben wäre es serverseitig (HTTP/2 aktivieren) oder clientseitig, indem
sich mehrere Tabs über einen SharedWorker **eine** Feed-Verbindung teilen.
**Zwei offene Punkte vor einem Deployment dorthin:**
1. **Java 17 statt 21.** `build.gradle.kts` verlangt `JavaLanguageVersion.of(21)`.
Entweder die Toolchain auf 17 senken (dann fallen Sprachfeatures weg) oder
ein eigenes JDK 21 ins Home legen — beim Selfhosting problemlos, aber es
muss jemand tun.
2. **Der Weg vom Apache zum Backend ist ungeklärt.** `ProxyPass` ist in
`.htaccess` nicht zulässig, und `~/doms/<domain>/etc/` ist leer, sodass
unklar bleibt, ob dort eigene vhost-Direktiven abgelegt werden können.
Möglich wären `RewriteRule … [P]` (mod_rewrite ist aktiv, das P-Flag
sperren manche Hoster jedoch) oder eine Rückfrage bei Hostsharing. **Nicht
getestet**, weil dafür eine Proxy-Regel in der Produktionsumgebung
einzurichten wäre.
Die Lehre aus D17-Nachtrag 4 bleibt: Was die Umgebung stellt, stellt der
Emulator nicht — die Zahlen oben sind gemessen, der Proxy-Pfad ist es nicht.
## Grenzen der simplen Variante (bewusst akzeptiert)
- Konflikterkennung auf **Dokumentebene**: Zwei Editoren, die gleichzeitig
verschiedene Stellen ändern, erzeugen formal einen Konflikt — der
Rebase-Mechanismus in der 409-Antwort löst das aber in der Praxis
transparent. Erst wenn das nicht reicht, lohnt Konflikt­prüfung pro
Zeilenbereich (die 409-Struktur bleibt dabei gleich).
- Konflikterkennung auf **Dokumentebene** mit serverseitigem Rebase: Zwei
Editoren an verschiedenen Stellen stören einander nicht mehr; ein 409 gibt
es nur bei echter Überlappung derselben Zeilen.
- Kein Präsenz-Feature (wer ist online, fremde Cursor). Später über ein
leichtgewichtiges `presence`-Feld im Feed nachrüstbar; das `!!!`-Fokusmark
des Formats kann dafür genutzt werden.
leichtgewichtiges `presence`-Feld im Feed nachrüstbar — `clientId` und
Anzeigename gibt es dafür schon; das `!!!`-Fokusmark des Formats kann
ergänzend genutzt werden.
- Clientseitige Verschlüsselung: Das Protokoll transportiert Zeilen als
opake Strings und funktioniert unverändert mit Ciphertext pro Zeile —
nur das serverseitige Diff-Berechnen entfiele dann (Clients müssten Ops
immer selbst liefern; die Struktur erlaubt das bereits).
nur das serverseitige Diff-Berechnen und Rebasen entfiele dann (Clients
müssten Ops immer selbst liefern; die Struktur erlaubt das bereits).
## Teststrategie
- **Cucumber**: „Client B sieht die Änderung von Client A im Feed",
Patch mit veralteter Basisversion liefert 409 mit opsSinceBase",
Feed meldet DELETED", „Rebase-Fall: nicht überlappende Änderung nach 409
erneut einreichen".
„veraltete Basis ohne Überlappung wird serverseitig rebased und akzeptiert",
veraltete Basis mit Überlappung liefert 409 mit opsSinceBase",
„derselbe PATCH zweimal gesendet ändert das Dokument nur einmal",
„falsche Prüfsumme liefert 422", „Feed meldet DELETED und danach RESTORED",
„zu altes since liefert Volltext", „Umbenennen erscheint als RENAMED".
Long Polling braucht dafür **Nebenläufigkeit im Test** (zwei Threads oder
asynchrones MockMvc) und einen klein konfigurierbaren `wait`-Wert — der
heutige synchrone `TestRestTemplate`-Stil allein reicht nicht.
- **Unit-Tests**: Diff-Anwendung (alle drei Ops, Randfälle: leeres Dokument,
Anhängen, letzte Zeile), Diff-Berechnung, Index-Verschiebung.
Anhängen, letzte Zeile), Diff-Berechnung, Index-Verschiebung, die
Überlappungsregeln für `insert` (untereinander verträglich, mit `delete`
nicht), Prüfsummenbildung samt Zeilenenden-Normalisierung.
## Vorschlag Umsetzungsreihenfolge
## Umsetzungsreihenfolge
1. Diff-Modell + Anwenden/Berechnen als reine Kotlin-Funktionen (Unit-Tests)
2. `PATCH /content` inkl. 409-Antwort (Spec + Cucumber)
3. `GET /changes` mit Long Polling (Spec + Cucumber)
4. Client-Anpassung (Feed-Schleife, lokales Anwenden, Rebase)
1. Diff-Modell + Anwenden/Berechnen/Rebasen als reine Kotlin-Funktionen
(Unit-Tests)
2. Historie in zwei Ebenen + gezielter Repository-Zugriff
3. `PATCH /content` inkl. Rebase, Idempotenz, Prüfsumme und 409 (Spec +
Cucumber)
4. `GET /changes` mit Long Polling, Volltext-Fall und Ereignistypen
(Spec + Cucumber)
5. Master-Passwort für `GET /documents` (Spring Security)
6. Client-Anpassung (Feed-Schleife, lokales Anwenden, Konfliktdialog)
**Vor Schritt 4** steht die Vermessung der Zielumgebung (siehe „Betrieb") —
sie bestimmt den `wait`-Wert und im Extremfall, ob Long Polling dort
überhaupt trägt.